Mastercard gibt 1,8 Milliarden aus, um Stablecoin-Versicherung zu kaufen – der König der grenzüberschreitenden Zahlungen beginnt, sich zu verteidigen

ETH-3,61%
SOL-2,82%
TRX-1,01%

Mastercard übernimmt Stablecoin-Infrastruktur

Mastercard kündigte an, die Londoner Stablecoin-Infrastruktur-Firma BVNK für bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar zu übernehmen, davon 1,5 Milliarden US-Dollar als festen Kaufpreis und 300 Millionen US-Dollar als Performance-bedingte Earn-out-Klausel. Damit übertrifft die Transaktion die 1,1 Milliarden US-Dollar, die Stripe 2024 für den Kauf von Bridge gezahlt hat, und wird somit die größte Akquisition im Bereich Stablecoins aller Zeiten.

BVNK: Was genau kauft Mastercard für 1,8 Milliarden Dollar?

BVNK unterstützt Unternehmen beim Aufbau einer Brücke zwischen Fiat-Währungen und on-Chain-Stablecoins. Das Geschäft umfasst grenzüberschreitende Überweisungen, B2B-Abrechnungen und Remittances. Zu den Kunden zählen Worldpay, Deel und Flywire. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 40 Millionen US-Dollar, profitabel ist das Unternehmen jedoch noch nicht. Mastercard rechnet für 2025 mit einer bereinigten Nettomarge von rund 45 %, was einem Jahresgewinn von etwa 15 Milliarden US-Dollar entspricht. Die 1,8 Milliarden US-Dollar entsprechen nur 0,4 % seiner Marktkapitalisierung.

Mastercard kauft nicht die 40 Millionen Jahresumsatz, nicht die 300 Milliarden Transaktionsvolumen und auch nicht die technische Infrastruktur von BVNK – sondern sichert sich im Falle des Durchbruchs von Stablecoins als Mainstream-Abrechnungsschicht eine Position, um nicht ausgeschlossen zu werden.

Die Bedrohung durch Stablecoins für grenzüberschreitende Einnahmen: Ein Messer am Hals

Laut Schätzungen des Analysten Raymond James stammen etwa 37 % der Einnahmen von Mastercard aus grenzüberschreitenden Transaktionen und internationalem E-Commerce – genau die Einkommensquellen, die Stablecoins am präzisesten ins Visier nehmen.

Drei zentrale Auswirkungen von Stablecoins auf grenzüberschreitende Einnahmen der Kartengesellschaften

Enorme Gebührenunterschiede: Traditionelle SWIFT-Gebühren für grenzüberschreitende Zahlungen liegen bei 3–6 %, die Abwicklung dauert 3–5 Tage; Stablecoins bieten Gebühren unter 1 %, Transaktionen in Minuten, 24/7, mit Kostenunterschieden im Mehrfachen.

Karten-Netzwerke werden rückwärts genutzt: Laut McKinsey-Studien werden 2025 Stablecoin-Karten im Volumen von 4,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben, mit einem jährlichen Wachstum von 673 %. Nutzer können direkt bei Händlern, die Mastercard akzeptieren, Stablecoins verwenden, um Zahlungen zu tätigen, und so die Abwicklung über das Kartennetz umgehen.

Händlerakzeptanz als Endgegner: Große Plattformen wie Amazon und Walmart haben ein starkes Interesse daran, kostengünstige Stablecoin-Transaktionswege anstelle von Karten zu nutzen. Sobald die wichtigsten Händler Stablecoins direkt akzeptieren, wird das bisherige Gebührenmodell der Kartengesellschaften fundamental erschüttert.

US-Finanzminister Scott Bessent prognostiziert, dass das Angebot an Stablecoins bis 2030 auf 3 Billionen US-Dollar anwachsen wird, Citi geht sogar von 4 Billionen aus. Das heutige Volumen ist nur ein Bruchteil, doch die Wachstumsrate ist exponentiell.

Front-End ist die Karte, Back-End ist die Blockchain: Die integrierte Abrechnung

Nach der Akquisition wird BVNK in drei Ebenen in das Mastercard-Netzwerk eingebunden: Für die Abwicklung von Stablecoin-Transaktionen zwischen Händlern und Acquirern; für die Integration von Stablecoin-Zahlungsoptionen im Mastercard-Zahlungsgateway; sowie für die Bereitstellung von Währungsumtauschkanälen zwischen Karten, Konten und Wallets.

Raj Dhamodharan, Executive Vice President bei Mastercard für Blockchain und Digital Assets, erklärt: „Wir sehen Stablecoins als eine Art Schienenverkehr, jede Stablecoin kann als eine globale ACH-Transaktion betrachtet werden.“ Karen Webster, Chefredakteurin von PYMNTS, fasst es noch direkter zusammen: „Mastercard kämpft nicht gegen Stablecoins, sondern integriert sie.“

Diese Integration bedeutet, dass das Front-End weiterhin die Marke Mastercard und das Akzeptanznetzwerk bleibt, während das Abwicklungssystem auf Chain-Transaktionen umgestellt wird. Für den Nutzer ändert sich kaum etwas, nur die bisher hohen SWIFT-Gebühren verschwinden aus dem Abwicklungsprozess.

Doch die Herausforderungen sind real: BVNK nutzt eine chain-unabhängige Architektur, die mehrere Blockchains wie Ethereum, Solana und Tron abdeckt; die Bestätigungszeiten und Sicherheitsmodelle variieren stark. Zudem ist die regulatorische Umgebung in 130 Ländern äußerst unterschiedlich: In den USA gibt es den „GENIUS Act“, in Europa die MiCA-Verordnung, in Asien regeln die einzelnen Staaten eigenständig. Die langfristigen Compliance-Kosten könnten zu einem schwarzen Loch werden.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Mastercard bereit, 1,8 Milliarden US-Dollar für ein noch nicht profitables Unternehmen zu zahlen?
Mastercards Kernstrategie ist strategischer Schutz, nicht kurzfristige Rendite. Die niedrigen grenzüberschreitenden Gebühren von Stablecoins (unter 1 %) stellen eine direkte Bedrohung für etwa 37 % der Mastercard-Einnahmen aus grenzüberschreitenden Transaktionen dar. Die Akquisition sichert sich eine Position im Ökosystem, falls Stablecoins die Mainstream-Abrechnungsschicht werden.

Warum hat Coinbase nach der Bekanntgabe von 2 Milliarden US-Dollar den Bieterkampf verlassen?
Die genauen Gründe sind unklar. Es ist wahrscheinlich, dass Mastercard die Infrastruktur für Stablecoins letztlich eher durch traditionelle Finanzinstitute als durch Krypto-Startups integriert. Das spiegelt die regulatorische Realität wider: Lizenzierte Finanzinstitute haben hier klare Vorteile.

Was bedeutet die Akquisition für den durchschnittlichen Mastercard-Nutzer?
Kurzfristig ändert sich für den Nutzer kaum etwas. Langfristig könnten grenzüberschreitende Abrechnungen von 3–5 Tagen auf Minuten reduziert werden, die Kosten könnten deutlich sinken. Das Nutzererlebnis „Front-End ist die Karte“ bleibt bestehen, während die Abwicklung im Hintergrund effizienter wird.

Original anzeigen
Disclaimer: The information on this page may come from third parties and does not represent the views or opinions of Gate. The content displayed on this page is for reference only and does not constitute any financial, investment, or legal advice. Gate does not guarantee the accuracy or completeness of the information and shall not be liable for any losses arising from the use of this information. Virtual asset investments carry high risks and are subject to significant price volatility. You may lose all of your invested principal. Please fully understand the relevant risks and make prudent decisions based on your own financial situation and risk tolerance. For details, please refer to Disclaimer.
Kommentieren
0/400
Keine Kommentare