
Anfang des zweiten Quartals kehrte Gold über 4.700 US-Dollar zurück und erholte sich von einem Rückprall, nachdem es im März den größten monatlichen Rückgang seit Anfang der 1980er-Jahre verzeichnet hatte. Ein erfahrener technischer Analyst und Gründer von ElliottWaveTrader, Avi Gilburt, warnte in einem Interview, dass diese Korrektur noch nicht abgeschlossen sei. Er ermittelte zwei völlig unterschiedliche technische Pfade; beide führten letztlich auf ein Niveau nahe 3.800 US-Dollar je Unze.
Avi Gilburt verwendet die Elliott-Wellen-Theorie als Analyse-Framework und identifiziert derzeit zwei völlig unterschiedliche technische Abwärts-Pfade:
Pfad 1 (direkter Rückfall-Typ): Gold trifft nahe dem aktuellen Niveau auf Widerstand, bildet in der Nähe von 4.800 US-Dollar eine Top-Struktur und fällt dann direkt weiter. Dieser Pfad hat im Vergleich deutlichere technische Signale; wenn der Preis ein Hoch erreicht, ist die Erkennung weniger schwierig.
Pfad 2 (Lockvogel-Falle-Typ): Gold durchbricht den Widerstand bei 4.800 US-Dollar, steigt weiter auf etwa 5.200 US-Dollar und erzeugt den Anschein, die Korrektur sei bereits beendet, bevor dann erst die von Avi Gilburt erwartete tiefergehende Abwärtsbewegung ausgelöst wird; sie führt letztlich auf ein Ziel von 3.800 US-Dollar.
Avi Gilburt hebt besonders die Gefahr von Pfad 2 hervor und sagt: „Dieser Weg ist stärker täuschend, weil höhere Preise dazu bringen, dass jeder glaubt, die Korrektur sei bereits abgeschlossen, aber tatsächlich hat die Korrektur erst begonnen.“ Deshalb betont er, dass Anleger bei kurzfristigen Erholungen nicht voreilig davon ausgehen sollten, dass der Trend bereits gedreht hat.
Avi Gilburt weist darauf hin, dass es derzeit deutliche Ähnlichkeiten in der technischen Struktur des Goldmarkts mit der Zeit der Hochphase der Edelmetallpreise im Jahr 2011 gibt; der Verlauf nach der aktuellen Korrektur wird entscheiden, ob sich die Geschichte wiederholt. Im Jahr 2011 begann Gold nach dem Erreichen des historischen Hochs einen Bärenmarkttrend über mehrere Jahre.
Für die entsprechenden Märkte hat Avi Gilburt zudem folgende technische Einschätzungen genannt:
Silber: Solange es unter dem jüngsten Hoch im März bleibt, zeigt das Abwärtsrisiko auf 53,50 US-Dollar; die langfristige Perspektive geht davon aus, dass unter 60 US-Dollar eine „hervorragende Kaufgelegenheit für die nächsten 10 Jahre“ besteht, schließt jedoch nicht aus, dass eine Korrektur auf 40 US-Dollar möglich ist
Minenaktien: Einige Einzelwerte haben bereits den Boden erreicht und prallen wieder an, andere befinden sich noch in der Korrektur. Avi Gilburt ist der Ansicht, dass der gesamte Sektor in der nächsten Phase steigender Kurse Gold und Silber möglicherweise übertreffen und so selektive Investitionsmöglichkeiten bieten könnte
Öl: Kurzfristig könnte es möglicherweise noch Aufwärtspotenzial geben, aber Avi Gilburt erwartet, dass der Ölpreis gegen Ende dieses Jahres deutlich fällt und sogar unter 50 US-Dollar pro Barrel rutschen könnte
Avi Gilburt betont, dass sein gesamter Ausblick vollständig durch die technische Struktur getrieben ist und nicht durch makroökonomische Narrative. Gleichzeitig macht er den Unterschied in den Strategien zwischen Tradern und langfristigen Investoren deutlich: Wenn Gold an der definierten Ziel-Unterstützung stabil bleibt, könnte sich daraus eine Kaufgelegenheit für langfristige Investoren ergeben; aber erst die Stärke und Struktur der anschließenden Erholung ist der entscheidende Maßstab dafür, ob der Gesamttrend von Gold weiter bullisch bleibt oder in einen langfristigen Bärenmarkt übergeht. Er rechnet damit, dass Gold, Silber, Aktien und Rohstoffe in den kommenden Monaten in ein entscheidendes Wendefenster eintreten werden.
Avi Gilburt geht bei zwei technischen Pfaden davon aus, dass beide auf einen endgültigen Rückgang von Gold unter 4.000 US-Dollar je Unze zielen, nahe 3.800 US-Dollar; das entspricht bei der aktuellen Spot-Notierung von etwa 4.775 US-Dollar einer weiteren Abwärtsbewegung von ungefähr 20%. Die obige Einschätzung ist eine persönliche technische Analyse des Analysten und stellt keine Anlageberatung dar.
Gemäß Avi Gilburt’s Analyse von Pfad 2 könnte Gold, falls es 4.800 US-Dollar durchbricht und auf 5.200 US-Dollar steigt, durch die kurzfristige Stärke den Markt dazu verleiten, zu glauben, die Korrektur sei bereits beendet. Dadurch würden Käufer im Hoch in Long-Positionen hineingejagt. In seinem technischen Rahmen würde jedoch erst diese Erholung eine tiefergehende Abwärts-Trendbewegung auslösen; das ist eine typische Lockvogel-Fallen-Struktur.
Avi Gilburt sagt, wenn Gold oder Silber an der von ihm festgelegten Ziel-Unterstützung stabil bleibt, könnte sich daraus für langfristige Investoren eine Kaufgelegenheit ergeben; ob nachfolgende Erholungen eine wirksame Trendwende herbeiführen können, ist jedoch der entscheidende Punkt, der darüber entscheidet, wohin sich die langfristige Entwicklung bewegt. Er erklärt dabei ausdrücklich: Silber unter 60 US-Dollar ist aus Sicht der langfristigen Allokation ein Chancenbereich, aber das Risiko kurzfristiger technischer Schwankungen bleibt weiterhin bestehen.