Im Kontext zunehmender geopolitischer Risiken zeigt der Markt deutliche Kontraste: Der US-Dollar ist nicht wie üblich zur bevorzugten sicheren Anlage geworden, sondern fließt stattdessen kontinuierlich in Gold und Silber. Die schnelle Preissteigerung bei Edelmetallen erschüttert das langfristige Makro-Konsensbild.
In jüngster Zeit erreicht der Goldpreis ständig neue historische Höchststände und nähert sich der runden Marke von 5000 US-Dollar, während Silber die 80-US-Dollar-Marke deutlich durchbricht und damit deutlich besser abschneidet als traditionelle Rohstoffzyklen. Allgemein wird angenommen, dass diese Aufwärtsbewegung nicht nur eine Fortsetzung der Inflationshype ist, sondern eine Neubewertung der Stabilität des Währungssystems darstellt.
Der Edelmetall-Analyst Garrett Goggin weist darauf hin, dass in früheren Phasen von US-militärischen oder geopolitischen Konfliktverschärfungen der US-Dollar meist gleichzeitig gestiegen ist. In diesem Fall jedoch zeigt der US-Dollar-Index eine Abwärtsbewegung, was eine deutliche Abweichung von Gold und Silber darstellt. Diese strukturelle Veränderung spiegelt wider, dass das Vertrauen in die Absicherungsfunktion des US-Dollars nachlässt.
Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Schiff erklärt ebenfalls, dass nach dem Durchbruch bei 4560 US-Dollar der Preisfokus verschoben wurde. Der Markt tendiert nun dazu, 5000 US-Dollar als neuen Referenzbereich zu sehen, anstatt auf 4000 US-Dollar zurückzufallen. Gleichzeitig verzeichnet Silber eine seltene starke Performance über mehrere Jahrzehnte, wobei beide Edelmetalle gleichzeitig steigen, was oft mit systemischem Druck verbunden ist.
Auch die Veränderungen im Silbermarkt sind bemerkenswert. Dario, Mitbegründer und Chief Operating Officer von Synnax, erwähnt, dass bei Silber-Futures eine Überpreis-Struktur auftritt, was darauf hindeutet, dass einige Unternehmen und Industriekäufer bereits vorzeitig die Versorgung sichern, um zukünftige Kostenrisiken abzusichern. Diese Nachfrage stammt mehr aus der Realwirtschaft als aus kurzfristigen Spekulationen.
Kip Herriage ist der Ansicht, dass Edelmetalle langfristig unterbewertet sind. Die aktuelle Bewegung ähnelt eher einem lang verzögerten Preisreparaturprozess als einer Blase. Robert Kiyosaki bekräftigt seine langfristige Einschätzung zu Silber und glaubt, dass knappe Vermögenswerte in einem Umfeld hoher Schulden weiterhin profitieren werden.
Aus der Marktperformance lässt sich ableiten, dass der Durchbruch bei Gold und Silber in Kombination mit einem schwächeren US-Dollar ein klares Signal sendet: Das bisher dominierende Muster der traditionellen sicheren Anlagen befindet sich im Wandel.