Ugandas Regulierungsbehörde sagt, sie könne Jack Dorseys Bitchat abschalten, aber die dezentrale Bluetooth-Mesh und die wahlgetriebene Akzeptanz der App erschweren Zensurmaßnahmen.
Zusammenfassung
Ein Entwickler der dezentralen Messaging-Anwendung Bitchat hat die Behauptungen ugandischer Behörden, der Dienst könne blockiert werden, widerlegt, da das ostafrikanische Land sich den nationalen Wahlen nähert.
Der Geschäftsführer der Uganda Communications Commission, Nyombi Thembo, erklärte am Montag, dass die Regulierungsbehörden die technische Fähigkeit besitzen, Bitchat bei Bedarf zu deaktivieren, so Berichte.
„Wir wissen, wie man es unbrauchbar macht“, sagte Thembo und fügte hinzu, dass das Land über bedeutende technische Expertise verfüge. „Lasst euch nicht von Bitchat begeistern, das ist eine kleine Sache.“
Ein mit Bitchat verbundener Entwickler, online als Calle bekannt, lehnte diese Einschätzung ab. Anhand interner Daten sagte Calle, dass mehr als 400.000 Ugander die Anwendung heruntergeladen haben.
„Ihr könnt Bitchat nicht stoppen. Ihr könnt uns nicht stoppen“, schrieb Calle auf der sozialen Plattform X und ermutigte lokale Entwickler, zu Open-Source-Tools beizutragen. „Kostenlos und Open Source. Unaufhaltsam. Von den Menschen, für die Menschen.“
Das Interesse an der Anwendung stieg letzte Woche, nachdem Oppositionsführer Bobi Wine seine Anhänger aufgefordert hatte, sie als Notfallmaßnahme zu installieren, wobei er auf frühere internetbezogene Wahl-Shutdowns verwies, so Berichte.
Uganda hat in der Vergangenheit den Online-Zugang während politisch sensibler Zeiten eingeschränkt. 2016 befahl Präsident Yoweri Museveni einen landesweiten Internet- und Social-Media-Shutdown aus Sicherheitsgründen. Ein ähnlicher vier Tage dauernder Blackout begann am Wahlnacht im Jahr 2021.
Bitchat, das im Juli in die Beta-Phase ging, funktioniert ohne herkömmliche Internetinfrastruktur. Die Anwendung nutzt Bluetooth-basierte Mesh-Netzwerke, um verschlüsselte Nachrichten zwischen nahegelegenen Geräten zu übertragen, was die Kommunikation ermöglicht, wenn mobile Daten oder Breitbanddienste nicht verfügbar sind, so die technische Dokumentation.
Das System hat keine zentralen Server und benötigt keine Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Nutzerkonten, so die Dokumentation.
Die Nutzung der Anwendung hat sich über Uganda hinaus ausgeweitet. Während Protesten in Nepal im vergangenen September wandten sich laut Berichten Zehntausende Nutzer Bitchat zu, nachdem eine temporäre Social-Media-Sperre verhängt wurde. Wochen später verzeichnete Madagaskar einen vergleichbaren Anstieg der Downloads.
Im November wurde die Anwendung während des Hurrikans Melissa kurzzeitig zu einem der meistgeladenen Tools in Jamaika, als Verbindungsstörungen die Bewohner daran hinderten, alternative Kommunikationswege zu nutzen.