Im Jahr 2025 endete ein vierjähriger Stillstand in der Krypto-Regulierung. Gary Gensler, Vorsitzender der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission), trat zurück und schloss damit offiziell das Kapitel seiner Ära der „Regulierung durch Durchsetzung".
Während Genslers Amtszeit leitete die SEC über 100 Durchsetzungsmaßnahmen gegen Kryptounternehmen ein. Sein strikter Kurs galt zeitweise als so einflussreich, dass er sogar den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflussen könnte, was zu heftigen Debatten in der Branche führte.
01 Wandel der Regulierungsparadigmen
Gary Genslers Rücktritt als SEC-Vorsitzender im Januar 2025 markierte das Ende einer von starkem Druck geprägten Phase der US-Krypto-Regulierung.
Unter Genslers Führung setzte die SEC verstärkt auf „Durchsetzungsmaßnahmen" als zentrales Regulierungsinstrument und leitete während seiner Amtszeit über 100 Verfahren gegen Kryptounternehmen ein.
Seine Regulierungspolitik, die in der Branche oft als „Vogel-Strauß-Politik" bezeichnet wurde, wurde dafür kritisiert, dass sie substanzielle Regelsetzung umging und stattdessen auf punktuelle, strafende Maßnahmen setzte, um das sich rasant entwickelnde Krypto-Ökosystem zu adressieren.
Die Spannungen zwischen Branche und Aufsichtsbehörden erreichten einen Höhepunkt. So behauptete der CEO von Ripple öffentlich, Genslers Vorgehen könne ein entscheidender Grund für eine mögliche Wahlniederlage von Präsident Biden werden.
02 Wendepunkt zwischen zwei Epochen
Genslers Rücktritt markierte einen klaren Wendepunkt. Am 21. April 2025 wurde Paul Atkins als 34. Vorsitzender der SEC vereidigt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war Atkins seit 2017 als Co-Vorsitzender der Token Alliance tätig und brachte tiefgehendes Verständnis sowie direkte Erfahrung im Kryptobereich mit.
Nach seinem Amtsantritt leitete Atkins rasch einen Kurswechsel der SEC ein. Er übte offen Kritik am Regulierungsstil seines Vorgängers und kündigte an, dass der Fokus der SEC sich von „Regulierung durch Durchsetzung" hin zu „Förderung von Compliance und Innovation" verschieben werde.
Schon zu Beginn seiner Amtszeit setzte Atkins konkrete Maßnahmen um: Er zog mehrere laufende Ermittlungen im Kryptobereich zurück und begann mit der Ausarbeitung eines klareren regulatorischen Rahmens für digitale Vermögenswerte.
03 Gesetzgeberische Meilensteine
Dieser Wandel in der Regulierungsstrategie beseitigte politische Hürden für substanzielle Gesetzgebung. Am 18. Juli 2025 unterzeichnete der US-Präsident den „Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act" (GENIUS Act), das erste umfassende bundesweite Stablecoin-Gesetz der Vereinigten Staaten.
Das Gesetz schuf eine regulatorische Grundlage für Zahlungs-Stablecoins. Zu den Kernanforderungen zählt, dass Emittenten 100 % der Reserven in US-Dollar oder kurzfristigen Staatsanleihen und anderen liquiden Mitteln halten, strenge Programme zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und Sanktionsvorschriften implementieren sowie die Zusammensetzung der Reserven monatlich offenlegen müssen.
Die Verabschiedung des GENIUS Act wurde weithin als entscheidender Erfolg für die Kryptobranche in Washington gewertet. Erstmals wurden Stablecoins unter einen bundesweiten Rechtsrahmen gestellt und erhielten damit die dringend benötigte Legitimation für diesen milliardenschweren Sektor.
Das Stablecoin-Gesetz war nur der erste Schritt. Im Juli desselben Jahres verabschiedete das Repräsentantenhaus den „Digital Asset Market Clarity Act" (CLARITY Act), der die Struktur der Märkte für digitale Vermögenswerte klarstellen soll.
04 Wichtige Termine und Marktausblick für 2026
Im Jahr 2026 tritt der regulatorische Fahrplan in eine intensive Phase der Umsetzung und Weiterentwicklung ein. Der US-Krypto-Politikkalender ist mit entscheidenden Terminen gefüllt, die die Zukunft der Branche maßgeblich prägen werden.
- Januar 2026: Der Senat wird voraussichtlich Anhörungen zur Marktstrukturgesetzgebung abhalten, um den bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedeten CLARITY Act voranzubringen.
Auch die von Paul Atkins angekündigte „Innovationsausnahme" wird im Januar erwartet. Diese Ausnahme soll es Unternehmern ermöglichen, neue Produkte flexibler zu testen, sofern bestimmte Verbraucherschutzanforderungen erfüllt werden.
- Juli 2026: Das kalifornische Gesetz über digitale Finanzanlagen tritt in Kraft. Unternehmen, die Dienstleistungen für Einwohner Kaliforniens anbieten, müssen eine Lizenz bei den staatlichen Aufsichtsbehörden beantragen.
- Juli 2026: Frist für Bundes- und Landesbehörden, detaillierte Umsetzungsregeln gemäß dem GENIUS Act zu finalisieren.
- August 2026: Der Kongress könnte zentrale Krypto-Steuervorschläge vorantreiben, um Unklarheiten bei Staking, Lending und ähnlichen Aktivitäten zu beseitigen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die CFTC ihre Regulierung zur Nutzung von Blockchain-Technologie an den Kapitalmärkten abschließt.
- November 2026: US-Zwischenwahlen. Mögliche Verschiebungen in den Mehrheitsverhältnissen des Kongresses könnten darüber entscheiden, ob die derzeit krypto-freundliche Gesetzgebungsagenda fortgesetzt wird.
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05 Globale Perspektive und fortbestehende Unsicherheiten
Der Wandel in den USA von Konfrontation hin zu Dialog in der Krypto-Regulierung ist kein Einzelfall. Die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) trat bis Ende 2024 und im Verlauf des Jahres 2025 schrittweise vollständig in Kraft und schuf einheitliche Regeln für Krypto-Assets in den 27 Mitgliedstaaten.
MiCA schreibt ebenfalls 1:1-Stablecoin-Reserven, verpflichtende Prüfungen und umfassende Compliance vor. Sie ermöglicht es Anbietern, die in einem Mitgliedstaat zugelassen sind, ihre Dienstleistungen in der gesamten EU anzubieten.
Trotz der auf beiden Seiten des Atlantiks immer klareren regulatorischen Rahmenbedingungen bestehen weltweit weiterhin große Unsicherheiten. Wie Dezentralisierte Finanzen (DeFi) reguliert, grenzüberschreitende Kapitalströme gesteuert und Regeln für die institutionelle Beteiligung geschaffen werden, bleibt eine offene Herausforderung.
Fachleute der Branche betonen, dass diese ungeklärten Fragen zu den Kernthemen gehören, mit denen sich die globalen Regulierungsbehörden 2026 und darüber hinaus beschäftigen werden.
Ausblick
Der Übergang von der Gensler-Ära zur Ära Paul Atkins ist nur ein Kapitel im langen Prozess der Annäherung der US-amerikanischen und globalen Finanzsysteme an digitale Vermögenswerte. Genslers harte Durchsetzungspolitik zwang die Branche, die Bedeutung von Compliance zu erkennen, während Atkins mit dem Aufbau eines tragfähigen Rahmens den Weg in die Zukunft ebnet.
Im Jahr 2026 – wenn Kalifornien beginnt, Lizenzen für Anbieter von Krypto-Vermögenswerten zu vergeben, die Innovationsausnahme der SEC offiziell eingeführt wird und der Kongress über die Besteuerung von Krypto diskutiert – werden Marktteilnehmer deutlich spüren, wie sich die Grenze zwischen der Krypto-Welt und der traditionellen Finanzwelt von Konfrontation hin zu Integration verschiebt.
Dieser stille Machtwechsel wird die Krypto-Branche letztlich aus den Konferenzräumen Washingtons in die digitalen Geldbörsen der Alltagsnutzer führen.




