„Mein Denkprozess entwickelt sich ständig weiter." Am 03. Dezember reflektierte BlackRock-CEO Larry Fink beim New York Times DealBook Summit offen über seinen sich wandelnden Standpunkt gegenüber Kryptowährungen.
Diese Aussage steht in starkem Kontrast zu seinen öffentlichen Äußerungen vor acht Jahren – 2017 hatte er Bitcoin noch berüchtigt als „einen Index für Geldwäsche" bezeichnet. Heute hat der weltweit größte Vermögensverwalter unter seiner Führung den größten Spot-Bitcoin-ETF in den USA aufgelegt und hält rund 800.000 Bitcoins im Wert von nahezu 100 Milliarden US-Dollar.
01 Wandelnde Perspektiven: Vom Zweifel zur Akzeptanz
Larry Finks Weg mit Kryptowährungen steht beispielhaft für den grundlegenden Wandel, wie traditionelle Finanzriesen digitale Vermögenswerte heute betrachten. Beim DealBook Summit gab der einstige Kritiker ruhig zu, dass seine Sichtweise „einen erheblichen Wandel durchlaufen" habe.
Dieser Wandel vollzog sich nicht über Nacht. Fink räumte ein, dass jahrelange Gespräche mit Kunden und Entscheidungsträgern seine Einstellung zu Bitcoin allmählich verändert hätten. Offen erklärte er, der Schritt, Kryptowährungen nicht mehr vorrangig mit Geldwäsche zu assoziieren, sondern nun Milliardenbeträge in BTC zu verwalten, sei „ein sehr deutliches öffentliches Beispiel für einen grundlegenden Perspektivwechsel".
Dabei ist Finks Annäherung an Bitcoin keineswegs frei von Vorbehalten. Er beschreibt Bitcoin als „Angst-Asset" und hebt hervor, dass Anleger meist dann investieren, wenn sie sich um finanzielle Sicherheit, geopolitische Unsicherheiten oder den Wertverlust traditioneller Vermögenswerte sorgen.
02 Das 100-Milliarden-Dollar-Imperium: BlackRocks Bitcoin-ETF boomt
Finks veränderte Sichtweise geht Hand in Hand mit BlackRocks strategischer Expansion in den Kryptomarkt. Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) ist inzwischen eine treibende Kraft im Kryptosektor.
Aktuellen Daten zufolge hält IBIT mittlerweile rund 800.000 Bitcoins im Wert von nahezu 98 Milliarden US-Dollar und nähert sich damit rasant der Marke von 100 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Das Wachstumstempo ist beeindruckend – IBIT hat innerhalb von weniger als zwei Jahren historische Rekorde bei den Kapitalzuflüssen aufgestellt und allein in einer Woche 4 Milliarden US-Dollar eingesammelt.
Im Vergleich zu klassischen ETF-Giganten wie SPY und QQQ hat IBIT in zwei Jahren erreicht, wofür diese viele Jahre benötigten. Aktuell kontrolliert IBIT etwa 4 % des weltweiten Bitcoin-Angebots, was bedeutet, dass BlackRock einen von 20 existierenden Bitcoins verwaltet.
Cristiano Castro, Head of Business Development von BlackRock in Brasilien, verriet, dass der Bitcoin-ETF des Unternehmens mehr Einnahmen generiert hat als jedes andere Produkt im Portfolio – der Bitcoin-Fonds ist damit das umsatzstärkste Produkt von BlackRock. Besonders bemerkenswert ist dies angesichts der Tatsache, dass BlackRock weltweit über 1.400 ETFs mit einem Gesamtvolumen von mehr als 13,4 Billionen US-Dollar verwaltet.
03 Marktturbulenzen: Abflüsse und Kursschwankungen
Trotz des beeindruckenden Erfolgs von BlackRocks Bitcoin-ETF bleibt der Kryptomarkt hochvolatil. In letzter Zeit gab es mehrere bemerkenswerte Entwicklungen.
Am 25. November verzeichnete IBIT Abflüsse in Höhe von etwa 523 Millionen US-Dollar – der größte Einzelabfluss seit Auflegung des Fonds im Januar 2024. Im gesamten November summierten sich die Nettoabflüsse bei IBIT auf über 2,3 Milliarden US-Dollar.
Der Markt reagierte prompt und deutlich. Der Bitcoin-Kurs fiel kurzzeitig unter 87.000 US-Dollar und erreichte damit ein Siebenmonatstief. Nach den jüngsten Daten vom 05. Dezember setzte sich der Rückgang fort: Bitcoin notierte unter 91.000 US-Dollar und verlor innerhalb von 24 Stunden 1,87 %.
Diese Abflusswelle könnte darauf hindeuten, dass einige Anleger ihr Kapital von Bitcoin in Gold umschichten. Erneut steht die Frage im Raum, ob Bitcoin tatsächlich als sicherer Hafen dienen oder gar die Rolle von Gold einnehmen kann.
04 Strategische Expansion: Mehr als nur der ETF
BlackRocks Engagement im Kryptobereich geht weit über den Bitcoin-ETF hinaus. Die Krypto-Strategie des Unternehmens ist vielschichtig und umfassend.
BlackRock entwickelt Technologien zur Tokenisierung verschiedenster Vermögenswerte, darunter Immobilien, Aktien und Anleihen. Larry Fink betont, dass weltweit digitale Wallets über 4,5 Billionen US-Dollar in Krypto-Assets, Stablecoins und tokenisierten Vermögenswerten halten – der Großteil davon außerhalb der USA.
Fink ist überzeugt, dass Tokenisierung es Krypto-Anlegern ermöglichen könnte, Zugang zu traditionellen langfristigen Produkten wie Rentenfonds zu erhalten. Er zieht Parallelen zwischen der Rolle von Bitcoin und Krypto und der von Gold.
Auch ehemalige BlackRock-Mitarbeiter treiben den Aufbau des Krypto-Ökosystems voran. Zwei Ex-Mitglieder des Digital-Assets-Teams gründeten HelloTrade, eine mobile Handelsplattform auf Blockchain-Basis. Das Unternehmen schloss kürzlich eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 4,6 Millionen US-Dollar ab.
05 Branchenwirkung: Die Annäherung von traditionellem und Krypto-Finanzwesen
Larry Finks Sinneswandel und BlackRocks Erfolg im Kryptobereich verdeutlichen die zunehmende Annäherung von traditioneller Finanzwelt und Krypto-Ökonomie – ein Trend, der das gesamte Finanzsystem nachhaltig verändert.
Der Einstieg von BlackRock in den Kryptomarkt hat Signalwirkung. Als weltweit größter Vermögensverwalter sendet das Unternehmen ein klares Zeichen an andere traditionelle Finanzinstitute. Fink selbst sieht Bitcoin als Absicherungsinstrument im Portfolio – eine Sichtweise, die sich auch unter institutionellen Investoren zunehmend durchsetzt.
Marktbeobachter stellen fest, dass die Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs der Haupttreiber für die Bitcoin-Dynamik im Jahr 2025 sind. BlackRocks Bitcoin-ETF ist der einzige Fonds, der 2025 Nettozuflüsse verzeichnet und damit seine Marktführerschaft weiter festigt.
Mit dem fortschreitenden Einstieg institutioneller Anleger in den Bitcoin-Markt verdient die Entwicklung des Sektors besondere Aufmerksamkeit. Mehr institutionelle Beteiligung wird Bitcoin zweifellos zusätzliche Sichtbarkeit und Kapital verschaffen, könnte aber auch die Marktdynamik und den langfristigen Kursverlauf des Assets verändern.
Ausblick
Am 05. Dezember schwankt der Bitcoin-Kurs weiterhin um die Marke von 91.000 US-Dollar. Gleichzeitig verwaltet BlackRocks Bitcoin-ETF IBIT fast 100 Milliarden US-Dollar an Vermögen.
Beim Gipfeltreffen saß Fink neben Coinbase-CEO Brian Armstrong und erklärte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin auf null fällt, liegt bei null." Armstrong ergänzte: „Ich sehe ein enormes und vielseitiges Anwendungspotenzial für Bitcoin."
Wenn der Finanzgigant, der Bitcoin einst als „Index für Geldwäsche" bezeichnete, heute 4 % des weltweiten Bitcoin-Bestands verwaltet, verschwimmen unter seiner Führung die Grenzen zwischen traditionellem Finanzwesen und der Krypto-Welt.




