Mit Abschluss der dritten Leitzinssenkung durch die US-Notenbank im Dezember und einer Senkung der Zielspanne für den Federal Funds Rate auf 3,50 %–3,75 % richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte bereits auf das Jahr 2026.
Obwohl die Medianprognose des offiziellen Dot Plot der Fed für 2026 lediglich eine weitere Zinssenkung (25 Basispunkte) vorsieht, erwarten die Terminmärkte für Zinssätze weiterhin zwei Senkungen im kommenden Jahr, mit einer kumulierten Reduktion von etwa 58 Basispunkten.
01 Auseinandergehende Erwartungen bei Zinssenkungen
Nach der Sitzung der Fed im Dezember zeigte sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Prognosen der Geldpolitiker und denen der Marktteilnehmer. Der Dot Plot verdeutlicht, dass die meisten Fed-Vertreter für 2026 lediglich eine Zinssenkung erwarten.
Die Finanzmärkte hingegen sehen die Lage anders. Die aktuelle Preisbildung signalisiert, dass Investoren insgesamt 58 Basispunkte an Zinssenkungen im nächsten Jahr erwarten, was zwei Standard-Senkungen entspricht.
Goldman Sachs vertritt eine noch expansivere Sichtweise und prognostiziert, dass sich dieser Lockerungszyklus bis ins Jahr 2026 fortsetzen könnte, wobei der Zielwert für den Federal Funds Rate auf 3 % oder darunter sinken könnte. Grundlage dieser Einschätzung sind die Annahmen, dass der Inflationsdruck moderat nachlässt und der Arbeitsmarkt weitere Schwächesignale zeigt.
02 Wandelnde Gründe für Zinssenkungen
Die Motivation der Fed, ab 2025 wieder Zinssenkungen einzuleiten, hat sich von Inflationssorgen hin zu Beschäftigungsfragen verschoben. Während die Inflation weiterhin über dem Zielwert von 2 % liegt, treten die negativen Auswirkungen des verlangsamten Beschäftigungswachstums zunehmend in den Vordergrund.
Die US-Arbeitslosenquote stieg von 4 % im Januar auf 4,4 % im September und erreichte damit den höchsten Stand seit Oktober 2021.
Josh Schiffrin, Chefstratege bei Goldman Sachs Global Banking & Markets, weist darauf hin, dass Fed-Präsident Jerome Powell zuletzt klare Signale gesendet hat: Strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt rücken stärker in den Fokus der Geldpolitiker. Die Arbeitsmarktdaten der kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob Zinssenkungen wieder aufgenommen werden.
03 Divergenz bei globalen Zentralbank-Strategien
Weltweit verfolgen die großen Zentralbanken zunehmend unterschiedliche geldpolitische Wege. Im Gegensatz zur Zinssenkungsstrategie der Fed könnte die Bank of Japan an ihrem Kurs weiterer Zinserhöhungen festhalten.
Die Europäische Zentralbank wird voraussichtlich ihren Leitzins unverändert bei 2 % belassen, während die Bank of England dem Kurs der Fed folgen und die Zinsen senken könnte.
Auch die Schwellenländer gehen unterschiedliche Wege. Die türkische Zentralbank hat eine weitere Zinssenkung angekündigt und ihren Leitzins um 150 Basispunkte auf 38 % gesenkt. Die brasilianische Zentralbank hingegen hält ihren hohen Leitzins weiterhin bei 15 % und bleibt damit restriktiv.
04 Auswirkungen von Zinssenkungen auf verschiedene Anlageklassen
Historisch betrachtet haben die Zinssenkungszyklen der Fed unterschiedliche Auswirkungen auf die einzelnen Anlageklassen.
Beim US-Dollar-Index ist der Trend nicht direkt an die Zinssenkungen der Fed gebunden, sondern hängt stärker vom Zinsabstand zwischen den USA und anderen Volkswirtschaften sowie der relativen Wirtschaftsstärke ab. Die erwartete Abschwächung des Dollar-Index im Jahr 2025 wird nicht nur durch Zinssenkungen der Fed, sondern auch durch eine schwächere US-Konjunktur und nachlassendes Vertrauen in Dollar-Anlagen beeinflusst.
Gold könnte von moderaten Zinssenkungen und Risiken für die Unabhängigkeit der Fed profitieren. Auch wenn das Abwärtspotenzial für US-Staatsanleihen begrenzt ist, bleibt Gold ein Gewinner, sollte die Unabhängigkeit der Fed erodieren und die Sorgen um die US-Fiskalpolitik und die Glaubwürdigkeit des Dollars weiter zunehmen.
Der Wechselkurs des chinesischen Yuan dürfte 2026 widerstandsfähig bleiben. Unterstützende Faktoren sind eine starke Exportleistung, abnehmende Handelskonflikte und die steigende Attraktivität von Yuan-denominierten Vermögenswerten.
05 Mögliche Auswirkungen auf den Kryptowährungsmarkt
Mit einer moderaten Lockerung der US-Dollar-Liquidität könnte sich das globale Liquiditätsumfeld verändern. Als besonders liquiditätsabhängige Anlageklasse könnte der Kryptomarkt vor neuen Chancen und Herausforderungen stehen.
Unterschiedliche geldpolitische Ansätze der großen Zentralbanken – insbesondere zwischen der Fed und anderen – könnten die Kapitalströme verstärken. Manche Anleger suchen höhere Renditen oder sichere Häfen und könnten daher vermehrt in Krypto-Assets investieren.
Auch potenzielle Veränderungen an der Spitze der Fed sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Der ehemalige Präsident Trump hat angedeutet, dass Ex-Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Favorit für den nächsten Vorsitz gilt. Ein Wechsel in der Führung könnte die künftige geldpolitische Ausrichtung beeinflussen.
06 Digitale Asset-Trends auf der Gate-Plattform
Stand 17. Dezember 2025 haben die Erwartungen an Zinssenkungen der Fed folgende Trends für digitale Vermögenswerte auf Gate beeinflusst:
Bitcoin (BTC) zeigte nach einer kurzen Korrektur Widerstandsfähigkeit und profitierte von verbesserten makroökonomischen Liquiditätsaussichten. Ethereum (ETH) und andere wichtige Token von Smart-Contract-Plattformen verzeichneten eine Zunahme der Handelsaktivität, da die Risikobereitschaft am Markt allmählich zurückkehrt.
Im Zuge der Zinssenkungserwartungen rücken Token mit Bezug zu Real World Assets (RWA) – also mit starker Verbindung zur Realwirtschaft – verstärkt in den Fokus. Gleichzeitig könnte die Volatilität auf den traditionellen Finanzmärkten dazu führen, dass einige Anleger Stablecoins als kurzfristige Absicherung oder Übergangsinstrumente nutzen.
Bitte beachten Sie: Der Kryptowährungsmarkt ist äußerst volatil, und alle Preisdaten ändern sich in Echtzeit. Die oben genannten Beobachtungen spiegeln den Marktstand zu einem bestimmten Zeitpunkt wider und stellen keine Anlageberatung dar. Für aktuelle Echtzeitpreise konsultieren Sie bitte Gate und treffen Sie eigenständige Entscheidungen.
07 Ausblick auf den Zinssenkungspfad 2026
Auch wenn der Dot Plot der Fed nur eine Zinssenkung im Jahr 2026 vorsieht, könnten anhaltende Schwächen am Arbeitsmarkt und eine relativ stabile Inflation dazu führen, dass die Fed die Zinsen zweimal senkt – und zwar voraussichtlich schwerpunktmäßig in der ersten Jahreshälfte.
Luo Zhiheng, Präsident des Yuekai Securities Research Institute, geht im Basisszenario davon aus, dass die Fed 2026 zweimal die Zinsen senkt und die Untergrenze für den Federal Funds Rate auf rund 3 % festlegt. Entscheidende Faktoren sind stabile US-Inflationstrends, erhöhte Risiken am Arbeitsmarkt und eine mögliche Einflussnahme des Weißen Hauses, die eine weitere Lockerung begünstigen könnte.
Der genaue Zeitpunkt der Zinssenkungen im Jahr 2026 bleibt zwar offen, doch die Wahrscheinlichkeit für eine Umsetzung in der ersten Jahreshälfte ist am größten. Sobald die positiven Effekte der Lockerung sichtbar werden und sich der Arbeitsmarkt allmählich stabilisiert, könnte die Fed weitere Zinssenkungen pausieren.
Ausblick
Während sich die Erwartungen der Märkte und die Prognosen des Fed-Dot-Plots für Zinssenkungen 2026 annähern, positioniert sich das globale Kapital zunehmend neu. Goldman Sachs prognostiziert, dass der Federal Funds Rate unter 3 % fallen könnte, während Morgan Stanley davon ausgeht, dass die Fed in einen „Abwarten-und-Beobachten"-Modus gewechselt ist.
Als Vorreiter globaler Kapitalströme schwankt der Bitcoin-Preis auf Gate mit jeder Veröffentlichung von US-Arbeitsmarktdaten. Trader, die die Aussagen der Fed-Vertreter und die Inflationsdaten aufmerksam verfolgen, haben ihre Portfolios bereits entsprechend angepasst.
Ob die Fed letztlich einmal oder zweimal die Zinsen senkt – die Veränderungen der globalen Liquiditätsbedingungen sind bereits im Gange.




