Nach drei aufeinanderfolgenden Tagen mit Kursgewinnen nach dem Börsengang: Was bedeutet es, wenn SpaceX unter 200 US-Dollar fällt?

Märkte
Aktualisiert: 18.06.2026 03:31

Am 17. Juni (Ortszeit USA) verzeichnete SpaceX (SPCX) erstmals seit dem Börsengang einen Kursrückgang. Nach einem höheren Eröffnungsniveau stürzte die Aktie rasch ab, verlor im Tagesverlauf über 7 % und erreichte ein Tagestief nahe 189,6 US-Dollar, womit sie unter die wichtige Marke von 200 US-Dollar fiel. Obwohl der Kurs zu Beginn der Sitzung kurzzeitig um mehr als 5 % zulegte, war der Handelstag von heftigen Schwankungen geprägt, wobei auf Gewinne scharfe Verluste folgten.

Zum Handelsschluss lag SpaceX bei 192,2 US-Dollar, was einem Rückgang von etwa 4,8 % gegenüber dem Vortag entspricht. Trotz dieses Rückgangs notiert die Aktie damit immer noch rund 42 % über dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar, liegt jedoch mehr als 14 % unter dem bisherigen Tageshöchststand von 225,64 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens sank auf etwa 2,5 Billionen US-Dollar, womit SpaceX hinter Amazon zurückfiel und wieder auf den sechsten Platz der weltweit größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung rutschte.

Erster Rücksetzer nach dreitägiger Rallye: Gewinnmitnahmen sorgen für kurzfristige Volatilität

SpaceX feierte sein Debüt an der Nasdaq am 12. Juni mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie und sammelte dabei rund 75 Milliarden US-Dollar ein – der größte Börsengang in der Geschichte des US-Aktienmarkts. Am ersten Handelstag schloss die Aktie mit einem Plus von 19,22 % bei 160,95 US-Dollar. Am zweiten Tag folgte ein weiterer Anstieg um 19,6 % auf 192,5 US-Dollar. Am dritten Tag erreichte der Kurs im Tagesverlauf 225,64 US-Dollar, schloss aber bei 201,8 US-Dollar.

Innerhalb von nur drei Handelstagen summierten sich die Kursgewinne von SpaceX auf nahezu 50 %, die Marktkapitalisierung überschritt zeitweise 2,66 Billionen US-Dollar und übertraf damit Amazon und Microsoft – SpaceX rückte unter die fünf größten börsennotierten Unternehmen der Welt vor. Dieser rasante Anstieg bescherte Frühinvestoren und IPO-Zeichnern erhebliche Buchgewinne. Der Rücksetzer am vierten Tag ist größtenteils als normale technische Korrektur infolge von Gewinnmitnahmen zu werten.

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, diesen Rückgang ausschließlich auf kurzfristige Gewinnmitnahmen zurückzuführen – dahinter stehen tiefere strukturelle Spannungen am Markt.

Der Gigant im Minus: Deutliche Diskrepanz zwischen Bewertung und Fundamentaldaten

Die Bewertung von SpaceX hat sich weit von den zugrunde liegenden Geschäftszahlen entfernt. Laut Finanzberichten verzeichnete das Unternehmen für das Gesamtjahr 2025 einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar und im ersten Quartal 2026 einen weiteren Verlust von 4,28 Milliarden US-Dollar. Zwar steuerte Starlink im Jahr 2025 etwa 18,7 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei, insgesamt bleibt das Unternehmen jedoch tief in den roten Zahlen.

Bei einer Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 141 (bezogen auf den Umsatz 2025) bzw. fast 78 (bezogen auf die Prognose für 2026). Damit liegt die Bewertung mehr als dreimal so hoch wie bei Broadcom und 26-mal höher als bei Amazon. Zum Vergleich: Amazon und Microsoft erreichen Marktkapitalisierungen von über 2 Billionen US-Dollar mit realen Jahresgewinnen in dreistelliger Milliardenhöhe.

Das Analysehaus Morningstar senkte nach dem Börsengang seinen gewichteten durchschnittlichen Fair-Value-Schätzwert für SpaceX auf 62 US-Dollar je Aktie. Das aktuelle Kursniveau liegt damit rund 70 % über dem fairen Wert. Nach dem Discounted-Cashflow-Modell beziffert Morningstar die Gesamtbewertung von SpaceX auf 780 Milliarden US-Dollar, wobei das Geschäft mit Weltraumstarts und Starlink mit 611 Milliarden US-Dollar und das KI-Geschäft mit etwa 170 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Auch CFRA vergab eine Verkaufsempfehlung.

Geringer Streubesitz und hohe Privatanleger-Nachfrage: Kurzfristige Kursschwankungen werden verstärkt

Die Preisfindung bei SpaceX wurde in den ersten Handelstagen maßgeblich durch die besondere Aktienstruktur beeinflusst. Lediglich etwa 4,2 % aller Aktien sind tatsächlich frei handelbar. Dieser extrem geringe Streubesitz führt dazu, dass schon kleinere Kauf- oder Verkaufsaufträge den Kurs überproportional bewegen können – was sowohl die anfängliche Rallye als auch den jüngsten schnellen Kursrückgang begünstigte.

Privatanleger kauften in den ersten drei Tagen nach dem Börsengang netto SpaceX-Aktien im Wert von 369,8 Millionen US-Dollar – das Vierfache ihres üblichen Engagements in Nvidia oder Nasdaq-ETFs. Als die Kurse jedoch zu fallen begannen, verstärkte der geringe Streubesitz auch die Abwärtsbewegung.

Auch die Signale vom Optionsmarkt sind bemerkenswert: Am 17. Juni stieg das Handelsvolumen von SpaceX-Optionen auf über 1,7 Millionen Kontrakte, wobei der Anteil von Put-Optionen stillschweigend auf 44 % kletterte. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren und Hedgefonds systematisch gegen fallende Kurse absichern – ein deutlicher Kontrast zur Kauflaune der Privatanleger.

„Musk-Prämie" und Welleneffekte auf Krypto-Assets

Der Börsengang von SpaceX ist nicht nur ein Ereignis für die Kapitalmärkte – er hat auch Auswirkungen auf Musk-nahe Krypto-Assets. Musk ist seit langem in der Kryptoszene aktiv und hält persönlich Bitcoin, Ethereum und Dogecoin. Auch SpaceX und Tesla verfügen über beträchtliche Bitcoin-Bestände.

Nach der Ankündigung des SpaceX-Börsengangs sprang Dogecoin am 12. Juni um 7,6 % auf 0,091 US-Dollar. Musks persönliches Vermögen überschritt nach dem Börsengang die Marke von 1 Billion US-Dollar – er ist damit der erste Billionär der Geschichte. Allerdings hielt die DOGE-Rallye nicht lange an: Der Kurs bewegt sich aktuell zwischen 0,080 und 0,085 US-Dollar und liegt damit immer noch rund 88 % unter dem Allzeithoch. Auch die Erzählung rund um die DOGE-1-Mondmission von SpaceX, bei der Dogecoin als Zahlungsmittel akzeptiert wird, konnte den Kurs nicht nachhaltig beflügeln.

Dieses Muster – „ereignisgetriebene Rallyes ohne nachhaltigen Effekt" – spiegelt eine tiefere Marktrealität wider: Während Musks Vermögen die Billionenmarke erreicht, nimmt der marginale Einfluss seiner Handlungen auf Krypto-Preise ab. Die Bewertungslogik für „Musk-Konzepte" verschiebt sich von spekulativen Narrativen hin zu einer stärkeren Fundamentalanalyse.

Vom Kursrücksetzer zur Neubewertung des Bewertungssystems: Branchenperspektiven zum SpaceX-Phänomen

Der Rückgang von SpaceX unter 200 US-Dollar sollte nicht nur als technische Korrektur einer einzelnen Aktie betrachtet werden. Als größter Börsengang der Geschichte verändert SpaceX die Bewertungsmaßstäbe an den globalen Kapitalmärkten.

Bereits am ersten Handelstag überschritt die Marktkapitalisierung von SpaceX die Marke von 2 Billionen US-Dollar und überholte TSMC als sechstgrößtes Unternehmen der Welt. Am zweiten Tag wurde die Schwelle von 2,5 Billionen US-Dollar überschritten, am dritten Tag wurde Microsoft kurzzeitig überholt. Dieses Expansionstempo ist beispiellos in der Geschichte der Kapitalmärkte. Doch mit dem Kursrückgang stellt sich die zentrale Frage erneut: Sollte ein Unternehmen, das jährlich fast 10 Milliarden US-Dollar Verlust macht und insgesamt noch nicht profitabel ist, mit 2,5 Billionen US-Dollar bewertet werden?

Brancheninsider befürchten, dass der Mega-Börsengang von SpaceX einen „Sogeffekt" auslösen und Ungleichgewichte in der Kapitalallokation verschärfen könnte. Die überzogene Bewertung und der anhaltende „Burn Rate" im KI-Geschäft, bei weiterhin ausbleibender Profitabilität, könnten zusätzliche Unsicherheiten für den Technologiesektor und den Gesamtmarkt schaffen.

Für den Kryptomarkt liefert das SpaceX-Phänomen einen wertvollen Referenzpunkt: Wenn traditionelle Kapitalmärkte bereit sind, ein verlustreiches Unternehmen mit 2,5 Billionen US-Dollar zu bewerten, signalisiert das eine extrem hohe globale Risikobereitschaft. Sollte sich diese Risikoneigung umkehren, könnten sich entsprechende Kapitalflüsse und Marktsentiments auch auf Krypto-Assets auswirken.

Zusammenfassung

Der Rückgang von SpaceX unter 200 US-Dollar markiert den offiziellen Eintritt des „größten Börsengangs der Geschichte" in die zweite Phase der Preisfindung – der Übergang von rein IPO-getriebenen Kursgewinnen hin zu einem Wettstreit zwischen Fundamentaldaten und Bewertung. Die aktuelle Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen US-Dollar entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von nahezu 100 und anhaltend hohen Verlusten. Die Lücke zwischen Bewertung und Fundamentaldaten lässt sich nicht allein durch Musks persönlichen Einfluss schließen.

In den kommenden Quartalen muss SpaceX beweisen, ob die Profitabilität von Starlink weiter gesteigert werden kann, ob Starship wie geplant kommerziell einsatzfähig wird und ob das KI-Geschäft messbare Erträge liefert. Gleichzeitig droht mit dem Auslaufen von Insider-Sperrfristen zusätzlicher Verkaufsdruck.

Für Beobachter der Krypto-Branche bietet die Bewertungsdebatte rund um SpaceX einen wichtigen Maßstab: Wenn eines der größten Risiko-Assets der Welt zunehmend auf seine Fundamentaldaten geprüft wird, könnte das gesamte Bewertungssystem für Risiko-Assets vor einer Neuausrichtung stehen.

FAQ

Frage: Was ist der Hauptgrund für den Rückgang von SpaceX unter 200 US-Dollar?

Antwort: Unmittelbarer Auslöser waren Gewinnmitnahmen von Frühinvestoren nach einem Kursanstieg von fast 50 % innerhalb von drei Handelstagen. Grundsätzlich beginnt der Markt jedoch, die Diskrepanz zwischen der Bewertung von 2,5 Billionen US-Dollar und den anhaltend hohen Verlusten zu hinterfragen.

Frage: Wie hat sich das Ranking der Marktkapitalisierung von SpaceX verändert?

Antwort: Nach dem Rückgang liegt die Marktkapitalisierung bei etwa 2,5 Billionen US-Dollar, womit SpaceX hinter Amazon zurückfiel und wieder auf Platz sechs der größten Unternehmen weltweit steht. Am dritten Handelstag wurde Microsoft kurzzeitig überholt.

Frage: Inwiefern rechtfertigt die Finanzlage von SpaceX die aktuelle Bewertung?

Antwort: SpaceX hat 2025 einen Verlust von 4,9 Milliarden US-Dollar und im ersten Quartal 2026 einen Verlust von 4,28 Milliarden US-Dollar verbucht. Bei einer Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen US-Dollar ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 141 (bezogen auf den Umsatz 2025) – deutlich höher als bei profitablen Tech-Giganten wie Amazon. Fair-Value-Schätzungen von Morningstar und anderen liegen deutlich unter dem aktuellen Kursniveau.

Frage: Welche Auswirkungen hat die Kursschwankung von SpaceX auf den Kryptomarkt?

Antwort: Der Börsengang von SpaceX sorgte kurzfristig für einen Anstieg von Dogecoin und anderen Musk-nahen Krypto-Assets, die Gewinne waren jedoch nicht nachhaltig. Die Bewertungsdebatte rund um SpaceX spiegelt Veränderungen in der globalen Risikobereitschaft wider, die sich über Kapitalflüsse und Marktsentiment indirekt auch auf Krypto-Assets auswirken könnten.

Frage: Mit welchem Druck könnte die SpaceX-Aktie künftig konfrontiert sein?

Antwort: Das Auslaufen von Insider-Sperrfristen könnte zu erhöhtem Verkaufsdruck führen. Die Entwicklung der kommerziellen Nutzung von Starship, die Profitabilität von Starlink und die Ertragskraft des KI-Geschäfts stehen weiterhin unter Beobachtung. Der steigende Anteil institutioneller Put-Optionen signalisiert zudem, dass professionelle Investoren mit weiterem Abwärtsrisiko rechnen.

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