In der DeFi-Welle spielte das Handelsprotokoll Balancer eine Schlüsselrolle und steht nun vor einer bedeutenden Wende. Co-Gründer Fernando Martinelli erklärte am Dienstag, dass die Unternehmensentität Balancer Labs, die für die Inkubation und Finanzierung der Protokollentwicklung verantwortlich war, den Betrieb einstellen wird. Das Protokoll wird jedoch in einer vereinfachten Form weiterlaufen.
Diese schwierige Entscheidung wurde nur etwa fünf Monate nach dem Hackerangriff auf Balancer V2 im November letzten Jahres getroffen, bei dem digitale Vermögenswerte im Wert von bis zu 110 Millionen US-Dollar (einschließlich osETH, WETH und wstETH) ausgeraubt wurden.
Dies ist nicht nur die dritte größere Sicherheitslücke bei Balancer, sondern hat auch rechtliche Risiken ausgelöst und wurde zum tödlichen Schlag für Balancer Labs. Fernando Martinelli schrieb im Governance-Forum:
Balancer Labs ist heute eine Belastung für die Protokollentwicklung, kein Vermögenswert mehr. In der aktuellen Situation ohne Einnahmen ist das bestehende Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig.
Fernando Martinelli verriet weiter, dass er ernsthaft erwogen hatte, das gesamte Projekt vollständig zu schließen. Letztlich entschied er sich jedoch, das Protokoll selbst beizubehalten, da Balancer nach wie vor profitabel sei.
Laut Daten von DeFiLlama erreichte Balancer im Oktober 2021 einen TVL von 2,96 Milliarden US-Dollar, mit einer jährlichen Gebühreneinnahme von über 6 Millionen US-Dollar. Heute ist der TVL auf 157 Millionen US-Dollar gefallen, was einem Rückgang von 95 % gegenüber dem Höchststand entspricht.
Zudem ist die Marktkapitalisierung des nativen Tokens BAL erheblich auf 10 Millionen US-Dollar geschrumpft. Der aktuelle Tokenpreis liegt bei etwa 0,16 US-Dollar, was einer vollständig verwässerten Bewertung (FDV) von 11 Millionen US-Dollar entspricht und zeigt, dass der Markt den Vermögenswert stark abwertet.
Trotzdem generierte Balancer in den letzten drei Monaten eine jährliche Gebühreneinnahme von über 1 Million US-Dollar. Dieses Geld reicht zwar nicht aus, um die großen Betriebskosten zu decken, aber für eine stark verschlankte, effiziente Betriebsstruktur mehr als ausreichend.
Dafür hat das Balancer-Team einen äußerst radikalen Restrukturierungsplan vorgelegt. Zunächst soll die Ausgabe des BAL-Tokens direkt auf null gesetzt werden. Fernando Martinelli bezeichnete dies als eine Art „Teufelskreis aus Misswirtschaft und innerem Kampf“.
Außerdem wird das aktuelle veBAL-Governance-Modell aufgegeben. Martinelli erklärte, dass dieses System bereits von Meta-Governance-Protokollen wie Aura und von Bietmärkten kontrolliert werde, was dazu führe, dass die Abstimmungsergebnisse die tatsächlichen Stimmen der Nutzer nicht mehr widerspiegeln.
Auch die Gebührenstruktur soll radikal reformiert werden:
Fernando Martinelli schrieb dazu:
Wenn du Vertrauen in die restrukturierte Balancer hast, kannst du bleiben; wenn nicht, erhältst du eine faire Möglichkeit zum Ausstieg. Das ist ein ehrlicher Deal und hilft, potenzielle negative Folgen zu vermeiden.
In Bezug auf die Organisationsstruktur werden die Kernmitglieder von Balancer Labs nach der Zustimmung der Governance-Entscheidung in die neu gegründete Betriebsgesellschaft Balancer OpCo wechseln. Fernando Martinelli selbst wird nach der Liquidation des Unternehmens alle offiziellen Positionen niederlegen, aber als Berater zur Verfügung stehen.
Zukunftsorientiert wird das Team Ressourcen auf fünf Kernprodukte konzentrieren, die sich durch Wettbewerbsvorteile auszeichnen: die reCLAMM-Liquiditätspools, Liquidity Bootstrapping Pools, Stablecoin- und LST-Pools, Weighted Pools sowie Expansionspläne auf Nicht-EVM-Blockchains. Alle anderen Nebengeschäfte werden vollständig eingestellt.